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         Bindegewebe als energetisches und
               Informations-Kontinuum

                           von James L. Oschman, Ph.D.

     

     

     Zusammenfassung:

    Wer sich für Faszien und Bindegewebe interessiert, erhält gele-
    gentlich Einblicke in bemerkenswerte Phänomene, die an die Gren-
    zen der Wahrnehmung stossen und mit wissenschaftlichen Begrif-
    fen nicht erklärbar scheinen. Dieser Artikel betrachtet eine Anzahl
     solcher Phänomene, die uns Einblicke in die Rolle des Bindegewe-
    bes/der lebenden Matrix gewähren als einem Medium für den Fluss
     von Energien, nicht-neurale Kommunikation und ´Bewusstsein`,
    das den ganzen Menschen umfasst. Beispiele für Gipfelerfahrungen
     in der Therapie und in menschlicher Leistungsfähigkeit im allgemei-
    nen, den östlichen Kampfkünsten, Continuum Movement und neue-
    ren Forschungen über Akupunktur dienen dazu, eine einleuchtende
    Erklärung für Phänomene zu entwickeln, die in der Vergangenheit
    schwer fassbar waren. Die daraus hervorgehenden Konzepte haben
    praktische Implikationen für alle Therapeuten, Virtuosen jeder Rich-
    tung und für das Verständnis von Traumata.

     

     Einführung:

    Uns alle haben Erfahrungen aus der Arbeit mit Faszien und anderen
    Teilen des Bindegewebssystems fasziniert. Wer nach Erklärungen
    sucht, was geschieht, wenn man mit dem Bindegewebe in Bezieh-
    ung tritt, kann viele wertvolle Informationen in der wissenschaftli-
    chen Literatur finden, denn dieses Thema hat Generationen von
    Wissenschaftlern beschäftigt. Im Laufe der Jahre habe ich versucht,
    der Gemeinschaft der Körpertherapeuten einige dieser Informatio-
    nen mittels verschiedener Artikel und Bücher zugänglich zu machen
    (s. Anhang). Aber wenn wir genauer hinschauen, fühlen wir, dass
    etwas lebenswichtiges fehlt, dass es tiefere Ebenen der Weisheit
    gibt, die gerade jenseits unserer Wahrnehmung und unserer übli-
    chen analytischen Instrumente liegen. In diesem Artikel möchte ich
    einige dieser tieferen Ebenen von verschiedenen Gesichtspunkten
    aus betrachten.

     

    Anfänge einer Untersuchung:

    Die Gemeinschaft des Rolfing®/der Strukturellen Integration hat
    eine Schlüsselrolle in dieser Forschung gespielt. Für mich begann
    die Entwicklung, als Peter Melchior die Forschung von Harold Saxton
    Burr zusammenfasste, einem Professor an der Yale School of Medi-
    cine. Zwischen den 1930er und 1950er Jahren veröffentlichte Burr
    eine Reihe wichtiger Schriften über biologische Elektrizität und ihre
    Implikationen für Diagnose und Behandlung. Aber noch interessan-
    ter als die Forschung selbst war die Tatsache, dass die wissen-
    schaftliche und medizinische Gemeinschaft seine Entdeckungen im
    wesentlichen ignorierte. Ein paar Kritiken an Burrs Arbeit wurden
    veröffentlicht, und eine Gruppe war nicht imstande, einige von Burrs
    Entdeckungen zu replizieren. Aber seine Arbeit wurde nie ihrer Be-
    deutung gemäß behandelt. Den Mangel an akademischem Interesse
    fand ich genauso bemerkenswert wie die Ergebnisse selbst. Ich hat-
    te naiverweise angenommen, dass andere Wissenschaftler meinen
    Durst nach innovativen Konzepten und Daten teilten, die neue For-
    schungszugänge eröffnen konnten. Daraus erkannte ich, dass:

             es unterschiedliche Weisen gibt, wie die wissen-
             schaftliche Gemeinschaft mit neuen wissenschaft-
             lichen Konzepten umgeht. Ein Durchbruch kann mit                   
             offenen Armen aufgenommen und rasch zu einem
             neuen und produktiven Forschungsgang entwickelt                    
             werden. Dies geschieht sehr selten. Eine zweite                      
             Vorgehensweise beinhaltet sorgfältige intellektuelle                 
             Analyse des Konzepts und ihre Akzeptanz oder                         
             Zurückweisung aus logischen Gründen. Obgleich wir
             diese Vorgehensweise als Gütezeichen echter Wissen-
             schaft erwarten, wird sie traurigerweise wahr
             genommen. Ein dritter und sehr häufiger Umgang,
             der gut zu einer bequemen und wenig aufnahme-
             bereiten Geistesverfassung passt, besteht darin,
             die neue Arbeit einfach zu ignorieren.

    Einige neuere Diskussionen beschleunigten die Entwicklung des Bil-
    des, das ich hier zusammenfassen werde. Im Juni 1999 stellte Em-
    mett Hutchins eine Frage über die Ergebnisse von Valerie Hunts
    Studie mit verschiedenen Tänzern, einschließlich Emilie Conrad. Dr.
    Hunt verfügte über ein telemetrisches elektromyographisches Sy-
    stem, das sie in ihren berühmten Studien über die Wirkung des Rol-
    fing® (Hunt und Massey 1977a) anwandte. Dieses System benutzt
    Elektroden, um die elektrische Aktivität an Muskelpunkten des Kör-
    pers zu ermitteln. Es handelt sich hierbei um Punkte auf der Haut,
    die Synapsen von motorischen Nerven mit den Muskeln, gerade
    oberhalb der myoneuralen Verbindungen. Dr. Hunt war in der Lage
    zu bestimmen, welche Muskeln die Testpersonen bei Bewegungen
    benutzten, indem sie diese elektrischen Aktivitäten abnahm und
    sie drahtlos an ein Aufnahmesystem sandte. Die Testpersonen wur-
    den vor und nach dem Rolfing® gebeten, Treppen zu steigen, Bälle
    zu werfen etc. Unter anderem dokumentierten die aufgezeichneten
    myographischen Muster Änderungen in der Effizienz von Bewegun-
    gen nach dem Rolfing®. Diese Studie wurde in Psychoenergetic Sy-
    stems
    (Hunt und Massey 1977b) veröffentlicht.  
     

    Eine andere Art von Bewegung 

    Die Ergebnisse mit den Tänzern wurden in Dr. Hunts Buch Infinite
    Mind, The Science of Human Vibrations
    (Hunt 1989) wiedergegeben.
    Offensichtlich hatte Dr. Hunt eine Art von Bewegung beobachtet,
    die sich sehr von den neuromuskulären Phänomenen unterschied,
    die so gut in der physiologischen Literatur beschrieben sind. Unter
    anderem scheint diese andere Art von Bewegung anstrengungslos
    zu sein, scheint unsere gewohnten Konzepte über ´Bewegungsspiel-
    raum` in Frage zu stellen und beinhaltet nicht die übliche neuro-
    muskuläre Aktivierung an den motorischen Endplatten, wie sie mit
    der Elektromyographie gemessen werden. Die Bewegungsmuster
    unterstehen, falls überhaupt, geringer bewusster Kontrolle. Man
    muss sich in einen anderen Bewusstseinszustand hinein entspan-
    nen, um sie zu erleben. Eine Art von nicht-neuraler Aktivierung der
    Muskulatur scheint beteiligt zu sein. Emilie Conrad hat diese Ent-
    deckungen in einer bemerkenswerten Vorgehensweise angewandt,
    die Menschen mit Rückenmarksverletzungen hilft, sich wieder zu be-
    wegen, obwohl ihr Rückenmark durchtrennt war. Ihr Erfolg zeigt,
    dass es im Körper ein anderes Kommunikationssystem gibt, ein Sy-
    stem, das kein intaktes Nervensystem erfordert. Hunts Erkenntnisse
    waren so außergewöhnlich, dass sie falsch sein mussten. Die Wis-
    senschaftler hatten kein Interesse daran, sie weiter zu verfolgen.
    So weit ich weiß, gab es keine Anstrengungen, Hunts faszinierende
    elektromyographische Studien zu wiederholen.

    Es dauerte über ein Jahr, Emmetts Frage auf den Grund zu gehen.
    Schrittweise fügte ich eine logische Erklärung zusammen, die die
    Grundlage für weitere Forschungen und Diskussionen bieten kann.
    Hoffentlich wird dieser Artikel solch eine Diskussion anregen.

    Der Grundpfeiler dieser Untersuchung war die Erfahrung mit Emilie
    Conrads evolutionärer Bewegungsarbeit, die sie Continuum Move-
    ment nennt. Emilies Ansatz stammt zum Teil aus Erfahrungen, die
    sie und Dr. Hunt in einem isolierten Zimmer der UCLA hatten. Die
    Zimmerwände schirmten alle normalen elektromagnetischen Felder
    ab, die wir in unserer Umgebung antreffen. Ohne diese Felder fiel
    es ihnen sehr schwer, ihre Körper zu bewegen.

    Von Emelies Arbeit und von ihrem Verständnis her, was da vor sich
    geht, hat man den Eindruck, dass die sich rhythmisch wandelnden
    Energien in der Umgebung, wie die geomagnetischen, geoelektri-
    schen, solaren und Gravitationsfelder, imstande sind, rhythmische
    Bewegung in Gang zu setzen und zu energetisieren. Diese Bewe-
    gung untersteht üblicherweise keiner bewussten Kontrolle. Sie
    scheint nicht vom Nervensystem reguliert zu werden, zumindest
    nicht in der Art, wie wir über das Nervensystem zu denken gelernt
    haben. Sie wird nicht auf den klassischen biochemischen Bahnen
    energetisiert, die die Aufspaltung von hoch energetischen chemi-
    schen Verbindungen in Adenosin Triphosphat (ATP) oder Kreatin
    Phosphat (CP) beinhalten.

     

    Zwei Arten von Bewusstsein

    Im folgenden werde ich zwei Arten von ´Bewusstsein` beschrei-
    ben. Eine ist unser ´gewöhnliches` neurologisches Bewusstsein.
    Wir bauen ein Bild von unserer Welt und unserem Ort darin auf
    (oder wählen es aus), indem wir die Muster der Nervenimpulse ana-
    lysieren, die aus unseren verschiedenen Sinnesorganen stammen.
    Unsere Sensoren überwachen ihrerseits kontinuierlich unsere innere
    und äußere Umgebung.

              Beachten Sie bitte, dass Wörter wie `Sinn´ und                       
             `Bewusstsein` üblicherweise dazu benutzt werden,                 
             neurologische Vorgänge zu beschreiben. Ich verwende           
             diese Begriffe, um Eigenschaften und Arbeitsweisen                
             eines anderen Systems zu beschreiben, das nicht                   
             neurologisch ist und das daher nicht auf die selbe
             Weise´bewusst gespürt` wird, wie wir es üblicher
             -weise von Empfindung´denken`. Dieses anderen                    
             Systems werden wir in den seltenen Augenblicken                   
             aussergewöhnlicher Wahrnehmung und Bewegung
             gewahr. Mit einiger Vorbereitung werden wir uns
             dieses Systems jedoch bewusster und verwenden
             es bei allen Aktivitäten.

    Die hier diskutierten Konzepte mögen wegen der Weise, wie wir ge-
    wöhnlich wahrnehmen und über unsere Welt denken, schwer zu-
    gänglich sein. Unsere hauptsächliche Art bewussten Denkens ist -
    neurologisch. Wissenschaftler entwerfen und führen ihre Experimen-
    te auf der Grundlage einer Welt durch, die sie aus ihren Sinnesein-
    drücken und ihrer logischen, überlegten Analyse dieser Eindrücke
    aufbauen. Oder zumindest ´denken` sie, dass sie das täten. Aber
    der erfahrene Wissenschaftler wird die Bedeutung von Intuition und
    Einsicht bei seiner Vorgehensweise einräumen. Man stellt sich vor,
    Intuition und Einsicht entsprängen dem ´Unbewußten`, was immer
    das sei. Ich glaube, dass das System, über das wir sprechen, der
    Ort ist, wo das Unbewusste wohnt. Ich glaube, dass wir jetzt den
    Sitz des schwer fassbaren ´Unbewußten` gefunden haben, das der
    lebenden Matrix inne wohnt. Es ist nicht nur im Nervensystem.

    Es stellt eine Herausforderung dar, mit einer anderen Art von ´Be-
    wusstsein` Kontakt aufzunehmen, das nur an den fließenden Gren-
    zen der Wahrnehmung oder während außerordentlicher Handlungen
    erfahren wird. Nichts desto weniger glaube ich, dass es solch eine
    andere Art von Bewusstsein gibt, und dass wir unsere Welt viel kla-
    rer begreifen können, wenn wir es erforschen.

    Diese zweite Art von ´Bewußtsein` ist viel schneller als neurologi-
    sches Bewusstsein. Es ist daher fähig, Aspekte unserer inneren und
    äußeren Umgebung zu analysieren und zu interpretieren, bevor wir
    uns ihrer bewusst ´gewahr` sind. Mit anderen Worten, es gibt eine
    Erfahrungswelt, die unmittelbar vor der Formung eines mentalen
    Weltbilds liegt und auch bevor wir bewusst Bewegungen als Antwort
    auf dieses mentale Bild initiieren.

    Da ich noch keinen Namen für dieses Phänomen bestimmt habe, be-
    ziehe ich mich beschreibend auf es als ´Bindegewebe`-, ´Matrix`-
    oder ´Kontinuum`-Bewusstsein. Diese Form von ´Gewahrsein` ent-
    steht innerhalb des kontinuierlichen lebenden Matrixsystems, das
    die Bindegewebsarten und Kern-Matrices der Zellen im ganzen Kör-
    per beinhaltet (Zeichnung 1).

           Hypothese: Bindegewebe-, Matrix- oder Kontinuum-
           Bewusstsein entsteht, weil die lebende Matrix ein
           Hochgeschwindigkeits-Halbleiter-Kommunikations-
           Netzwerk ist. Die lebende Matrix ist ein erregbares                 
           Medium, das fähig ist, Signale hervor zu bringen
           und fortzupflanzen. Sie ist ein ganz-körperliches,                    
           integriertes Leitungssystem von ungeheurer Feinheit;
           sie kann weitaus mehr Information aufnehmen,
           verarbeiten und speichern, als es das Nervensystem
           auch nur im entferntesten könnte. Die lebende
           Matrix ist ein Energiesystem, das fähig ist, Energie
           und Information aus der Umgebung aufzunehmen,
           diese Energie zu speichern und sie an irgendeinem
           Punkt in Zeit oder Raum freizusetzen (oder an allen                 
           Punkten, s. unten).

     

                 

     

             Zeichnung 1                                        Zeichnung 2

 

Tatsächlich hält die lebende Matrix eine Vielzahl lebender Zyklen von
Energie und Information aufrecht. Dies wird in Zeichnung 2 illustriert,
die aus einem Aufsatz von Mae-Wan Ho stammt: The Biology of Free
Will
(Ho, 1996).

  

Mae-Wan Hos ausgezeichnete Artikel, alle über das Internet verfügbar,
fassen die Eigenschaften des Systems aus der Perspektive der Flüssig-
kristallinizität zusammen:

           Flüssigkristallinizität gibt Organismen ihre                              
           charakteristische Flexibilität, aussergewöhn-
           liche Empfindsamkeit und Reagibilität und
           optimiert so die schnelle, geräuschlose Inter-
           kommunikation, die es dem Organismus erlaubt,
           als koordiniertes, zusammenhängendes Ganzes
           zu wirken.

                                                       Ho, 1999

    Die Arten, wie Bindegewebe oder Kontinuum-Bewußtsein sich auf
    das Nervensystem bezieht, ist in Zeichnung 3 zusammengefasst.

     

              

                                    Zeichnung 3

 

Die Illustration zeigt drei Bahnen, die Empfindungen mit Handlungen
verbinden. Die bekannteste ist der klassische Mechanismus, bei dem ein
Reiz einen sensorischen Rezeptor aktiviert und somit einen Impuls aus-
löst, der durch ein afferentes sensorisches Neuron zum Gehirn fließt.
Wenn es passt, initiiert das Gehirn ein Signal, das mittels eines motori-
schen Neurons an einen spezifischen Muskel oder eine Muskelgruppe ge-
sendet wird, um eine Antwort oder eine Aktion auszulösen. Ein Kurz-
schluss ist der spinale Reflex, der eine Muskelkontraktion auslösen kann,
bevor man des Reizes bewusst gewahr ist, so wie wenn die Hand von
einer heißen Oberfläche zurückgezogen wird. Der schnellste von diesen
Reflexbögen ist der monosynaptische Reflexbogen, in dem es nur eine
einzige Synapse zwischen dem sensorischen und dem motorischen Nerv
gibt. Die vorgeschlagene Kontinuum- Bahn ist sogar noch schneller und
beinhaltet die Leitung durch das erregbare Medium der lebenden Matrix.
Das Signal pflanzt sich vom Zytoskelett der sensorischen Zelle unmittel-
bar durch das Bindegewebe fort zu den Myofaszien und dann in das Zyto-
skelett der Muskelzellen.

Das Zytoskelett der Muskelzelle ist eine myofilamente Anordnung, zu-
sammengesetzt aus Aktin, Myosin und einigen anderen Proteinen. Wenn
Energie und Information aus sensorischem input die Myofilamente errei-
chen, kann ein faszinierender Mechanismus, der ´Reptation` genannt
wird, eine Kontraktion bewirken. Das ist eine Wellenbewegung von der-
selben Art, wie sie Schlangen und Erdwürmer gebrauchen, wenn sie sich
durch Tunnels in der Erde bewegen. Das wird in Gerald Pollacks Buch
Cells Gells and the Engines of Life (Pollack 2001). Zur weiteren Informa-
tion über diesen alternativen Aktivierungsmechanismus siehe Energy
Medicine in Therapeutics and Human Performance
(Oschman 2003).

Ich vermute, dass das Matrix-Bewußtsein an den außergewöhnlichen
Empfindungen und Handlungen beteiligt ist, die in lebensbedrohlichen
Situationen stattfinden. Ich denke, dass es ebenfalls der Schlüssel für
Spitzen- oder außergewöhnliche Leistungen jeglicher Art ist. In beiden
Beispielen ist das Nervensystem einfach zu langsam, um der hereinströ-
menden Information gewachsen zu sein, zu langsam auch für die Verar-
beitung dieser Information,  und zu langsam, Bewegungen zu initiieren.
Mit anderen Worten, die Matrix kann die Umgebung sinnlich wahrnehmen,
Information weiter verarbeiten und Handlungen in Gang setzen, bevor
das neurologische Bewusstsein irgendeine bewusste Wahrnehmung des-
sen entwickelt hat, was geschehen ist.

Alle Handlungen entspringen einer Kombination dieser beiden Bewe-
gungsarten. Für die meisten von uns werden unsere Bewegungen in ers-
ter Linie durch unsere Neurologie initiiert. Wir entscheiden bewusst, was
zu tun ist, und wir tun es. Stoffwechselprozesse versorgen unsere Bewe-
gungen mit Energie, und wenn wir uns viel bewegen, werden wir müde.

Bei einiger Vorbereitung kann man das Gleichgewicht in Richtung auf 
Continuum Movement verschieben. Ein großer Teil der Energie und Infor-
mation, die Bewegungen initiieren, stammt aus der Umgebung. Eine sol-
che Bewegung ist leicht, natürlich und anstrengungslos. Und sie kann
viel schneller sein als eine Bewegung, die die Neurologie initiiert.

 

Evolutionäre Aspekte

Ich vermute, dass das Matrix-Bewußtsein evolutionär viel älter ist als
das nervöse System. Es beinhaltet integrierte Empfindungs-Bewegung-
Mechanismen, die in den ´einfachsten` Organismen gegenwärtig sind,
den Bakterien und Protozoen und in all jenen Zellen, die von jenen ´ein-
fachen` Lebensformen abstammen, einschliesslich unserer eigenen Zel-
len und Gewebe. Ich setze ´einfach` in Anführungszeichen, weil diese
Lebensformen vollkommen in der Lage sind, ihre Umgebung sinnlich
wahrzunehmen und angemessen zu antworten, obwohl sie keine eigent-
lichen Nerven haben.

Hier ist ein einschlägiges Zitat aus Stuart Hameroffs faszinierender Ab-
handlung Die Neuron-Doktrin ist eine Beleidigung für Neuronen
(Hameroff 1999):

       Stellen Sie sich ein einzelliges Paramezium vor, das                
       anmutig schwimmt, Räubern ausweicht, Nahrung
       findet, sich paart und geschlechtlich verkehrt, all
       das ohne eine einzige Synapse.
       Zum komplexen Verhalten motiler Protozoen merkte
       CS Sherrington (1951) an, ´von Nerven findet sich
       keine Spur. Aber das Zellgerüst, das Zytoskelett,
       mag ausreichen.` Wenn das Zytoskelett in Protozoen
       so nützlich sein kann, was mag es dann in sehr
       grossen parallelen Anordnungen (von Mikroröhrchen)
       in Neuronen tun? Sind Neuronen im Vergleich zu
       Protozoen dumm?

                                                       Hameroff 1999

                                                                                                                                          
Ich vermute, dass der erste Schritt in der Evolution des Nervensystems
die Entwicklung eines Hilfsmittels in einzelligen Organismen war, die
Umgebung sinnlich wahrzunehmen und auf sie zu reagieren. Der zweite
Schritt fand wahrscheinlich in den einfachen, Kolonien bildenden Organis-
men statt. Anfangs waren diese Kolonien zufällige Ansammlungen von
Protozoen, die ihre Fähigkeit, unabhängig zu leben, beibehielten. Schritt-
weise wurden einige dieser Kolonien dauerhafter, weil das Leben in ko-
operativen Gruppen Vorteile bot. Der Begriff ´kooperativ` beinhaltet das
Auftauchen einer Art rudimentären Kommunikationssystems, das den
Zellen ermöglichte, als ein kollektives Ganzes zu funktionieren. Als sich
größere Kolonien entwickelten, verloren einige Zellen ihre Unabhängig-
keit und spezialisierten sich auf verschiedene Schlüsselfunktionen wie
Fortpflanzung, Nahrungsaufnahme, Verdauung, Kreislauf und Kommuni-
kation. Das Nervensystem entwickelte sich aus solchen spezialisierten
Zellen als Erweiterung der Matrix-Kommunikation, die zuvor existiert hat-
te.

Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass die Matrix-Kommunikation völ-
lig aufgegeben wurde, als die Zellen, die sich auf Kommunikation spezi-
alisierten, das Aktionspotential entwickelten als ein Mittel, Signale von
Zelle zu Zelle fort zu pflanzen. Mit anderen Worten, ich sehe das Ner-
vensystem als einen Ort an, wo beide Bewusstseinsarten statt finden,
wobei das Matrix-System Informationen in den Neuronen vor den Akti-
onspotentialen übermittelt. Zum Beispiel wird das Lichtmuster, das die
Netzhaut registriert, sehr schnell über die zellulären und extrazellulären
Matrices an die visuelle Hirnrinde kommuniziert. Wir ´sehen` erst dann
ein Bild, wenn die Aktionspotentiale angelangt sind. Aber die Zellen in
der visuellen Hirnrinde wissen bereits, was kommt und haben bereits be-
gonnen, das Bild zu analysieren und weiter zu verarbeiten. Ich vermute,
dass diese Weiterverarbeitung auf der subzellulären Ebene stattfindet,
innerhalb der lebenden Matrix.

 

Blind-Sichtigkeit

Blindsichtigkeit beweist, dass wir auf der Grundlage von Informationen,
die unser bewusstes Gewahrsein nicht erreicht haben, in der Lage sind,
wahrzunehmen und zu handeln. Das Phänomen wurde während des 1.
Weltkriegs dokumentiert. Einige Soldaten wurden auf eine Weise ver-
letzt, die ihre visuelle Hirnrinde beschädigte oder zerstörte, so dass sie
blind im üblichen Sinne waren. Erstaunlicherweise waren sie in der Lage,
weiterhin Gefahren zu vermeiden und  sich zu bewegen, ohne sich weiter
zu verletzen, obwohl ihre normale Sehfähigkeit überhaupt nicht funktio-
nierte. Das wurde schließlich ´Blindsichtigkeit` genannt.

Dieses Phänomen wurde in den 1970er Jahren bestätigt. Patienten, de-
ren Hirnbereiche, die visuelle Reize verarbeiten, beschädigt und die nicht
imstande waren, irgend etwas in weiten Bereichen ihres Gesichtsfelds
zu erkennen, waren dennoch in der Lage, auf Gegenstände zu zeigen,
sie zu erfassen, mit ihnen umzugehen und ihre Orientierung zu beschrei-
ben. Aber sie konnten diese Gegenstände nicht sehen. Als sie gefragt
wurden, was in ihnen vorging, sagten diese Personen, dass sie definitiv
nichts sehen konnten und dass sie daher rieten. Das bemerkenswerte
daran ist, dass sie jeweils zu 100% richtig rieten (Weiskrantz 1986).

Wir können nun eine einfache Erklärung für dieses Phänomen anbieten.
Die lebende Matrix ist fähig, die Umgebung zu spüren, die Information
zu verarbeiten und Handlungen zu bewirken. In einigen Fällen kann das
so schnell geschehen, dass der ganze Vorgang abgeschlossen ist, bevor
ein einziger Nervenimpuls die Hirnrinde erreicht hat. Klassische Beispiele
hierfür ereignen sich in den östlichen Kampfkünsten, wie ich weiter un-
ten beschreiben werde.

Wir können zwei Typen von Leitungen im Gehirn unterscheiden. Eine ist
die verzweigte Karte der Neurologie, die Generationen von Neuroanato-
men so sorgfältig erarbeiteten. Eine weitere ist eine sogar noch verz-
weigtere zellskelettale Matrix in all diesen Neuronen. Ich mag Hameroffs
genaue und humorvolle Einsicht in die Situation:

         Der gegenwärtige Stand der Neuron-Doktrin stellt
         die Neuronen und chemischen Synapsen des Gehirns
         als grundlegende Bestandteile in einem Computer-
         ähnlichen Schaltkreis dar, der die Sicht von Hirn=
         Geist=Computer unterstützt. Jedenfalls enthüllt eine
         nähere Untersuchung, dass die individuellen Neuronen             
         weitaus komplexer sind als einfache Schalter, mit
         einer enormen Fähigkeit, intrazelluläre Information
         zu verarbeiten (d.h. im innerenZellskelett). Die                         
         gegenwärtig moderne Neuron-Doktrin ist zu ober-
         flächlich, als dass sie erklären könnte, wie das Hirn                  
         mentales Leben hervorbringt. Die Neurowissenschaft
         wird nicht tief genug angewandt. Die Neuron-Doktrin                
         berücksichtigt nur gewisse Aktivitäten an neuronalen               
         Oberflächen und ignoriert innere Eigenschaften ein-
         schliesslich der Tatsache, dass Neuronen lebende
         Zellen sind. Jedes Neuron wird als eine black-box                    
         betrachtet, eine oberflächliche Darstellung, die ein                   
         wirkliches Neuron ähnlich gut wiedergibt wie eine                    
         aufblasbare Puppe einen wirklichen Menschen.
                                                 

 

    Ich schlage vor, dass das zelluläre neurale Netzwerk, gemeinsam
    mit dem Rest des Körpergewebes, die ganze Zeit subtile Informati-
    onen verarbeitet, egal ob Nervenimpulse erzeugt  wurden oder nicht.
    Der Kommunikationsprozeß beinhaltet ´conformationale Wellen`,
    die durch die mikroskopische Eiweißstruktur der Zellen wandern. Für
    nähere Einzelheiten, was unter ´conformationale Wellen` verstan-
    den wird, siehe Oschman (2003).

     

    Grenzen der Sinnesempfindung

    Wir entwickeln das Bild eines ´vor-bewußten Bewusstseins` (das
    vielleicht als ´unbewußt` bezeichnet wurde), das sein eigenes ´Bild`
    von der Welt und unserem Ort darin hat. Dieses ununterbrochene
    Bewusstsein ´spürt`Ereignisse, die in unserer Umgebung statt fin-
    den und die zu schnell oder zu subtil sind, als dass das Nervensy-
    stem sie bestätigen könnte. Dies wurde von Tor Nørretranders in
    The User Illusion ausgezeichnet zusammengefasst:

           Sekündlich enthüllt uns unser Bewusstesein einen                  
           winzigen Teil der 11 Millionen Bits an Information,
           die unsere Sinne an unser Gehirn weiterleiten. Der                  
           Grossteil der Information geht an unser Unbewusstes.            
           Vertrauen Sie Ihren Ahnungen und Intuitionen - sie
           kommen der Wirklichkeit näher als Ihre wahrgenom-
           mene Wirklichkeit, da sie auf weit mehr Informationen             
           beruhen.

                                           Tor Nørretranders (1998)

            

    Emilie Conrad und ich folgerten, dass unser Nervensystem uns kein
    genaues Bild dessen gibt, was unsere Sinnessysteme tun. In der
    Neurowissenschaft haben wir das Konzept der Schwelle:  die mini-
    male Stärke eines Reizes, der erforderlich ist, um ein Aktionspoten-
    tial in einem sensorischen Neuron hervorzurufen. Ein verwandtes
    psychophysikalisches Konzept ist das des gerade noch wahrnehm-
    baren Unterschieds
    , der Unterschiedsschwelle oder Unterschei-
    dungsschwelle
    zwischen zwei unterschiedlichen Empfindungsinten-
    sitäten. Unserem Eindruck nach sind die tatsächlichen Wahrneh-
    mungsschwellen, falls es solche gibt, weit unter dem Niveau, das
    nötig ist, um das Nervensystem aufzurühren. So wie bei der Netz-
    haut, die ein einzelnes Photon oder eine einzelne Lichtwelle entdec-
    ken kann, erstreckt sich der Umfang all unserer Sinnessysteme bis
    hinunter zu der kleinsten messbaren Energieeinheit, zur Quanten-
    ebene.

    Es stellt sich heraus, dass Forschungen, die vor über hundert Jahren
    durchgeführt wurden, enthüllten, dass dem so ist. Am 17. Oktober
    1884 berichteten Charles Sanders Peirce und Joseph Jastrow der Na-
    tional Academy of Sciences, dass Menschen zwischen zwei Empfind-
    ungen unterscheiden können, die das Bewusstsein nicht auseinan-
    der halten kann. In ihren Studien platzierten sie u.a. Gewichte auf
    die Haut. Ähnlich wie bei den Blind-Sichtigen waren die Versuchsper-
    sonen in der Lage, richtig zu ´erraten`, welcher Reiz der stärkere
    war, obschon sie bewusst keinen Unterschied entdecken konnten
    (Pierce und Jastrow 1884).

     

    Ein ´Betriebssystem`

    Analog zu einem Computer ist die lebende Matrix das ´Betriebs-
    system` des Körpers, das still und unsichtbar im Hintergrund aller
    Tätigkeiten des Organismus läuft. Unter anderem koordiniert und
    integriert dieses ´Betriebssystem` die Heilung von Verletzungen
    und Krankheiten. Die lebende Matrix erstreckt sich in jeden Teil un-
    seres Nervensystems und reguliert daher das Nervensystem und
    nicht umgekehrt. Das Nervensystem reicht nicht in jeden Teil der
    lebenden Matrix, die lebende Matrix aber reicht allerdings in jeden
    Teil jedes Neurons.

    Die lebende Matrix ist ein gut dokumentiertes materielles Substrat
    innerhalb des Körpers. Sie ist deswegen gut dokumentiert, weil sie
    der Brennpunkt vieler moderner Forscher ist einschließlich Zell- und
    Molekularbiologen, Membranbiologen und Zellphysiologen. Begriff-
    lich verbindet die lebende Matrix die westliche Wissenschaft mit
    den verschiedenen komplementären und alternativen Therapien.
    Ohne ein Verständnis der lebenden Matrix können viele wunderbare
    Therapien nur in einer Art Niemandsland herumtreiben, mit wenigen
    oder gar keinen logischen Möglichkeiten, durch die moderne For-
    schung einen Boden zu bekommen; die Verbindungen mit der mo-
    dernen wissenschaftlichen Medizin erscheinen dürftig. Durch das
    Studium der Kommunikation in der lebenden Matrix fügen wir eine
    bedeutsame Brücke hinzu, die uns ein neues Verständnis und neue
    Möglichkeiten für Patienten, Forscher, Therapeuten und Virtuosen
    aller Richtungen eröffnen kann. Neue Forschungen über Akupunktur,
    die weiter unten beschrieben werden sollen, haben dem Kontinuum-
    Konzept eine substantielle Basis verschafft.

    Die lebende Matrix gibt uns auch die Grundlage für spontane Heil-
    ungen, dem Thema von Andrew Weils Bestseller (Weil 1995). Medi-
    zinern ist aufgefallen, dass schwer verletzte oder kranke Menschen
    gelegentlich vollständig gesunden, und zwar nahezu augenblicklich.
    Weils Folgerung:

                   ...alle Schaltpläne und die Maschinerie sind da;
                   das Problem liegt einfach darin herauszufinden,
                   wie man den richtigen Schalter andreht, um den                       
                   Vorgang zu aktivieren.

                      
    Ein Verständnis der Schaltpläne und Schalter entsteht an der
    Schnittstelle zwischen konventioneller biomedizinischer Forschung
    und komplementären sowie alternativen Therapien.

    Die Idee vom Organismus als einem lebenden Energiekreislauf liegt
    der Akupunktur-Theorie zu Grunde, und eine wissenschaftliche Gül-
    tigkeitserklärung begann in den 1970er Jahren aufzutauchen. Im
    wesentlichen hat jeder Therapeut Erfahrungen gemacht, bei denen
    die Hauptschalter in diesem Schaltplan durch winzige Energiebeträ-
    ge aktiviert wurden. Die Wissenschaft erkennt die angemessene In-
    tensität, Frequenz und andere Eigenschaften, die benötigt werden,
    um die Heilreaktion zu aktivieren. Diese Entdeckungen sind hoch-
    wichtig für die Entwicklung neuer therapeutischer Apparate-Techno-
    logien und um die Grundlage der verschiedenen komplementären
    und alternativen Therapien zu verstehen.

     

    Östliche Kampfkünste

    Wertvolle Hinweise kommen von den Kampfkünsten. Wenn man die
    verschiedenen Praktiken anschaut, tut sich eine gewaltige Frage auf.
    Warum hat die Wissenschaft vermieden, diese bemerkenswerten
    Phänomene zu erforschen, die uns etwas tiefes über menschliche
    Wahrnehmung und Bewegung zu sagen scheinen? Eine neue und
    faszinierende Physiologie und Biophysik sind nötig um zu erklären,
    was in den Kampfkünsten vor sich geht.

    Stanley Rosenberg in Dänemark verhalf mir freundlicherweise zu
    einer direkten Erfahrung mit einigen Kampfkunsttechniken, indem
    er mich einem erfahrenen Fachmann, Thor Philipsen, vorstellte. Die-
    se Erfahrung war unersetzlich, um die Konzepte zusammen zu fügen,
    die ich zusammenfassen werde.

    Ein Beispiel aus den Kampfkünsten verdeutlicht das Phänomen, das
    ich hier bespreche. Der Meister steht ruhig da; er sieht beinahe so
    aus, als würde er gleich einschlafen. Ganz gewiß ist er entspannt.
    Sein Schüler schleicht sich von hinten heran, um ihn gleich anzugrei-
    fen. Wie es in Aikido and the Harmony of Nature (Saotome 1986,
    1993) und in anderen Arbeiten über die Kampfkünste beschrieben
    wurde, ist es üblich, dass der Student den Meister angreift, um die
    freilich köstliche und äußerst transzendente Erfahrung zu haben,
    durch die Ewigkeit zu fliegen.

    Unser Meister kann seinen Angreifer weder sehen noch hören oder
    riechen. Aber dann geschieht etwas bemerkenswertes. Der Angreifer
    fliegt plötzlich quer durch den Raum. Darüber befragt, berichtet der
    Meister, dass er weder der Herausforderung noch seiner Reaktion
    bewusst war, bis er seinen Gegner durch die Luft fliegen sah. Mit
    anderen Worten, der gesamte Vorgang des den Angriff ´Spürens`
    und der Reaktion fand statt, bevor das neurologische Bewusstsein
    die Gelegenheit hatte zu registrieren, dass irgendetwas geschah.

    Ich interpretiere diese Geschichte so, dass der Meister meditierte
    und bestimmte Bewegungen praktizierte, die schrittweise das in ihm
    aktivierten, was ich als sein ´Bindegewebs-Bewußtsein` bezeichne.
    Sein Bindegewebssystem, das als sensitive ´Antenne` wirkte, um
    die in seiner Umgebung anwesenden Energien zu entdecken, spürte
    den Angreifer auf, verarbeitete die Information und handelte ent-
    sprechend durch eine Bewegung, bevor der Meister bewusst gewahr
    wurde (im neurologischen Sinn des Begriffs ´gewahr`), dass irgend-
    etwas vor sich ging. An der Bewegung sind keine Gedanken beteiligt,
    sie wird nicht über neuromuskuläre Bahnen aktiviert und ist anstren-
    gungslos (beansprucht keine Stoffwechselreserven).

    Wenn man ihn nach seinen Fähigkeiten fragt, sagt der Meister viel-
    leicht, ´Ich kann Sie immer berühren, aber Sie können mich nie be-
    rühren, weil ich die Zeit beherrsche`. Mit dieser Behauptung ver-
    sucht der Meister, uns das Konzept einer zeitlichen Welt zu verge-
    genwärtigen, die dem normalen neurologischen Bewusstsein voraus
    ist. Diese Welt ist näher an der ´Wirklichkeit` als neurologisches
    Bewusstsein:

               Bewusstsein hinkt hinter dem her, was wir
               Wirklichkeit nennen.Wir benötigen eine halbe
               Sekunde, bis uns etwas bewusst wird, aber so
               nehmen wir es nicht wahr. Ausserhalb unseres
               bewussten Gewahrseins ordnet eine weit ent-
               wickelte Illusion die Ereignisse in der Zeit
               neu an.

                                             Tor Nørretranders (1998)

                     

    Diese zeitlose ´andere Welt` ist der Bereich derer, die verschie-
    dene altehrwürdige spirituelle Praktiken ausüben. Einer der Namen,
    der diesem Zustand gegeben wird, ist ´uraltes Bewusstsein`(s. z.B.
    Guenther 1976). Für u.a. den Hellsichtigen, Mystiker und Schamanen
    ist es der Ort, wo man die greifbaren Wurzeln oder die Quellen der
    Dinge und Ereignisse finden kann, die in der gerade erst hervortre-
    tenden Welt Erscheinung werden. Die meisten von uns leben in
    einer Welt, die bereits hervorgetreten ist, und haben wenig Erfahr-
    ung von ihrer Entstehung oder Kontrolle über sie.

    Eine andere Art von Kampfkünsten, die Thor Philipsen praktiziert,
    beinhaltet sehr schnellen Nahkampf. Wie beim vorherigen Beispiel
    sind keine Gedanken beteiligt. Die Handlungen geschehen viel zu
    schnell, um bewußt Entscheidungen zu treffen. Sollte sich einer der
    Kämpfer auch nur für den Bruchteil einer Sekunde einem Gedanken
    hingeben, so wird sein Gegenspieler schnell und automatisch Vortei-
    le daraus ziehen.

     

    Menschliche Leistung: systemische Kooperation

    Ein größerer Einfluß auf diese Forschung ereignete sich, als ich Jeff
    Spencer, DC, traf, einen Experten im Bereich athletischer Spitzenlei-
    stungen sowie der Prävention von und der Wiederherstellung nach
    Sportverletzungen. Viele berühmte Athleten zählen zu Jeffs Klienten,
    einschließlich Lance Armstrong, der gerade um seinen 5. Tour de
    France Sieg kämpft, während ich dies schreibe.

    Von Jeff erfuhr ich, dass Athleten, Couches, Trainer und Therapeu-
    ten, die mit Sportverletzungen arbeiten, ein tiefes und anhaltendes
    Interesse an Energie-Medizin haben. Laut Jeff wurde das erste Buch
    zu diesem Thema, Energy-Medicine: The Sientific Basis, zur Haupt-
    quelle für neue Einsichten, wie sich Leistungen verbessern und wie
    sich Verletzungen schneller heilen lassen.

    Schließlich fiel mir auf, dass athletische Spitzenleistung etwas mit
    therapeutischer Gipfelerfahrung gemeinsam hat. Obwohl es nicht
    leicht ist, diese besonderen Augenblicke in Worte zu fassen, werde
    ich es dennoch versuchen. Athleten erzählen oft davon, ´in dem Be-
    reich` zu sein. Ein Athlet, Denis Parker, das Wunderkind im Jugend-
    Bogenschießen, beschrieb es mit ´ Es ist, als würde man darüber
    nachdenken, wie die Welt begann` (zitiert in Shainberg 1989). Und
    Therapeuten erleben Augenblicke, in denen die Zeit anzuhalten
    scheint, Grenzen sich auflösen, das Licht sich ändert und alles mög-
    lich wird.

    Ein gemeinsamer Nenner dieser Gipfelerlebnisse ist, was ich nun als
    ´systematische Kooperation` bezeichne. Das ist ein Zustand des
    Bewusstseins und des Körpers, in dem alle Teile miteinander ver-
    bunden sind und an allem teilhaben, was immer auch getan wird.

    Der Begriff ´Strukturelle Integration` lässt das Bild eines Organis-
    mus entstehen, in dem alles vollständig miteinander verbunden ist,
    so dass jedes Gewebe, jede Zelle, jedes Molekül, jedes Atom, jedes
    subatomare Teilchen und der Raum zwischen ihnen an allem teilha-
    ben können, was immer der Organismus auch macht. Nicht nur, dass
    alles mit allem anderen verbunden ist, sondern es finden sich auch
    bemerkenswerte Eigenschaften, die daraus hervorgehen: Integration
    und Kohärenz. Die verschiedenen Teile des strukturellen Kontinuums
    arbeiten geschmeidig und effizient zusammen. Und der Organismus
    und seine Umgebung werden völlig eins:

               Das kohärente Selbst verbindet sich mit der
               Umgebung, so dass man die Umgebung in
               dem Masse beherrscht, wie man empfänglich
               ist.

                                                         -Mae-Wan Ho

                                                                                            

    Ich glaube, dass Rolfing®/Strukturelle Integration und viele andere
    Techniken das ´kohärente  Selbst`, auf das sich Mae-an bezieht, or-
    ganisieren und integrieren. Der Organismus ist ein System, das
    durch regelmäßiges Üben organisiert und fähiger wird, einschließlich
    ´mentaler Übungen`, bei denen man sich Bewegungen vorstellt,
    sich aber real nicht bewegt. Im wesentlichen gibt die lebende Matrix
    ´Obacht` und richtet ihre energetischen und Informationsbahnen an
    den verschiedenen vor-motorischen Potentialen aus, die durch das
    Denken an eine Bewegung hervorgerufen werden. Diese werden Prä-
    Potentiale oder Bereitschaftspotentiale genannt, und sie treten min-
    destens eine Sekunde eher auf, als ein Aktionspotential erzeugt wird.

    Anders gesagt können das Bindegewebe oder das Kontinuum-
    Bewußtsein den Organismus durch kreative Imagination auf das vor-
    bereiten, was kommen wird. Wenn das ´Unbewußte` kohärent wirkt,
    lässt es fehlerfreie Einsichten und Intuitionen spontan auftauchen.
    Diese Augenblicke treten gewöhnlich dann auf, wenn man gerade
    ´nicht denkt`.

     

     

    Akupunktur

     

    Bis vor kurzem gab es keine greifbaren Binde-
    glieder zwischen Akupunktur und moderner Wis-
    senschaft. Dank der Arbeit einer Anzahl von ein-
    zelnen Forschern, von denen ich einige kurz er-
    wähnen werde, erhalten wir ein viel klareres Bild
    des Akupunktur/Meridian-Systems, seiner Ver-
    bindung zum Bindegewebe und seiner Aufgabe
    in einer großen Vielzahl von Therapieformen.
    Das Konzept der lebenden Matrix bietet ein ver-
    einheitlichendes Diskussionsthema.

    Die Triftigkeit der Konzepte von lebender Matrix
    und Kontinuum-Bahnen stammt aus der Forsch-
    ung von Dr. Joie Jones und seinen Kollegen in
    Irvine, Kalifornien. Sie entdeckten, dass die Sti-
    mulierung sehbezüglicher Akupunkturpunkte an
    der Aussenseite des Fußes sehr schnell neurale
    Stromkreise in den Stirnlappen des Gehirns akti-
    viert (Zeichnung 3). Diese Aktivierung wird mit
    funktionaler Magnet-Resonanz-Bildgebung ge-
    messen (fMRI) (Cho et al 1998, Jones 2001).

     

    Neue, bisher nicht publizierte Studien haben gezeigt, dass das Sig-
    nal vom Fuss zum Gehirn sich weitaus schneller bewegt als Nerven-
    impulse (Jones 2003). Genau gesagt benötigt ein Lichtreiz 250 Milli-
    sekunden (1/4 Sekunde), um Neuronen in der visuellen Hirnrinde zu
    aktivieren, die sich nur wenige Zentimeter hinter der Netzhaut be-
    findet. Im Vergleich dazu werden nur 7 Mikrosekunden benötigt, um
    ein Signal vom Fuß zur Hirnrinde zu registrieren, eine Distanz von
    mehreren Metern, je nach Größe der Person. Die Verzögerung von 7
    Mikrosekunden ist die Obergrenze für die Übertragungsgeschwindig-
    keit; tatsächlich ist sie die Auflösungsgrenze für das funktionale
    Magnet-Resonanz-Bildgebungsgerät. Natürlich vermute ich die le-
    bende Matrix als Medium der Informationsübertragung. Jedenfalls
    öffnet dieser Ansatz die Tür zu Studien über die Natur und Geschwin-
    digkeit nicht-neuraler Kommunikation im Körper.

     

    Akupunktur und Bindegewebs-Energetik

    Kürzlich haben Helene Langevin und ihre Kollegen am Vermont
    Medical College eine Reihe von sorgfältigen Studien über die physi-
    kalischen Aspekte des Nadelsetzens in der Akupunktur begonnen.
    (Langevin et al 2001). Die Forschung liefert wichtige Hinweise über
    das lebendige Material, in das die Nadel gesetzt wird : das fortlauf-
    ende Bindegewebs/zellskelettale System, das unter dem Namen le-
    bende Matrix zusammen gefaßt wird.

     

    Ein Phänomen, von dem wieder und wieder während Akupunktur-
    behandlungen berichtet wird, heißt de qi. Es besteht aus einer cha-
    rakteristischen Empfindung, einem Schmerz oder einer Schwere im
    umliegenden Gebiet, die der Patient wahrnimmt, und einem ´Nadel
    -Griff`, den der Akupunkteur wahrnimmt.

    Der ´Nadel-Griff` ist besonders spürbar, wenn der Akupunkteur die
    Nadel manipuliert, um eine maximale Wirkung zu erzielen. Die Nadel
    wird entweder in verschiedene Richtungen gedreht oder auf und ab
    bewegt. Über die Jahrtausende haben klassische Texte eine Art von
    ´Zug` an der wohl platzierten Nadel beschrieben. Der Effekt ist be-
    sonders spürbar als ein ´tenting` (zurückhalten), wenn die Nadel
    herausgezogen wird.

    Langevin und Kollegen berichteten von histologischen Studien, die
    zeigen, dass Nadeln eine umschriebene Verdickung der subkutanen
    Bindegewebsschicht im Bereich um die Nadeln herum hervorrufen.
    Elektronenmikroskopische Studien von Resten an den Nadeln nach
    Einstich, Manipulation und Entfernung offenbaren elastische und kol-
    lagene Fasern um die Nadel herum (Kimura et al 1992). Quantitative
    Studien, die von Computern gesteuerte Nadelungsgeräte verwende-
    ten, bestätigten, dass die ´Herauszieh-Kraft` nach der Nadeldreh-
    ung im Vergleich zur Setzung ohne Drehung signifikant größer ist
    (Langevin et al 2001).

    Übereinstimmend wird beobachtet, dass die zur Drehung der Nadel
    benötigte Kraft im Verlauf der Drehung kontinuierlich zunahm. Es
    scheint daher, dass die Nadel die Bindegewebsfasern erfasst, die
    dann um die Nadel herumgewickelt werden, wenn sie gedreht wird
    (Zeichnung 5). Histologische Studien bestätigten, dass nach der Na-
    deldrehung die Kollagenbündel gerader und zunehmend paralleler zu
    einander werden. Gleichzeitig richten sich Fibroblasten an den Kolla-
    genfasern aus. Und Fibroblastzellen ändern ihre Form von rund zu
    spindelähnlich. Eine Minute nach der Drehung weisen die Zellen ein
    erhöhte Färbung für polymerisiertes filamentäres Aktin auf, was be-
    stätigt, dass eine zelluläre Reaktion statt gefunden hat.

    Der Mechanismus, durch den Spannung auf der lebenden Matrix zel-
    luläre Prozesse aktiviert, wurde sorgfältig von Ingber und seinen
    Kollegen in ihren Studien ausgearbeitet, indem sie bauliche Verän-
    derungen auf biochemische Ereignisse bezogen ( z.B. Chicurel et al
    1998). Die Signalkaskade, die an den Wirkungen von Akupunkturna-
    delung und Drehen beteiligt ist, sieht daher folgendermaßen aus:

      

    ● Nadelsetzung

         ● Nadeldrehung         

             ● Anhaften von Kollagen- und Elastinfasern an der Nadel

                     ● mechanisches Ziehen an der extrazellulären Matrix

     

                                        Zeichnung 5

 
                         ● Ziehen an fokalen Anhaftungen an                                                                                                    Fibroblastzell-Oberflächen

                             ● Aktivierung von fokaler Adhäsions-Kinase                               
                               (ein Rezeptor)

                                   ● Aktivierung intrazellulärer Signal-Pfade

                                           ● Aktivierung einer Vielzahl von                                                                                                          Zellaktivitäten

 

Die Forschung von anderen Wissenschaftlern, die in den Schriften von
Langevin und Kollegen zitiert werden, haben eine Vielzahl von zellulären
Reaktionen auf mechanische Reizung gezeigt, einschließlich Zellkontrak-
tion, Migration, Proteinsynthese und der Bildung von Myofibroblasten
(z.B. Desmouliere und Gabbiani 1994). Die Reaktionen umfassen Synthe-
se und Freisetzung von Wachstumsfaktoren, Zytokinese, gefässaktive
Substanzen, degradative Enzyme und strukturelle Matrixmoleküle.

Daher haben wir jetzt eine einleuchtende wissenschaftliche Erklärung für
die Wirkungen der Akupunkturnadeln auf das Milieu, in dem Wundheilung
und Gewebereparatur stattfinden. Vorteilhafte Veränderungen der Umge-
bung, in der zelluläre Aktivitäten stattfinden, und Stimulation der Zellen
selbst sind logische Folgen. Eine einzige Nadel kann große Mengen an
nahe gelegenen Fibroblasten beeinflussen, und diese Wirkungen können
eine Welle an Matrix-Deformation und Zellkontraktion hervorrufen, die
sich durch das interstitielle Bindegewebe über eine gewisse Entfernung
ausbreitet. Patienten beschreiben oft, wie sich während der Nadelung die
Empfindung von de qi entlang der Meridiane ausbreitet.

In weiteren Arbeiten betrachteten Langevin et al (2002) Bindegewebs-
muster nach der Nadelung. Sie verwendeten Ultraschall skandierende
akustische Mikroskopie und Licht-Mikroskopie von festen, eingebetteten
und gefärbten Bindegewebsschnitten, die genadelt waren, wobei die Na-
del rotierte. Die Mikrographien zeigten ein wirbelartiges Muster, das die
Spannungsmuster wiedergab, die die rotierende Nadel im Gewebe verur-
sachte.

 

Die Bedeutung dieser Beobachtungen für diejenigen, die mit Bindegewe-
be arbeiten, liegt darin, dass Druck oder Dehnung entlang der faszialen
Ebenen allem Anschein nach Zellen dehnt und ihre inneren Mechanismen
in Gang setzt.

 

Schließlich berichteten Langevin und Yandow (2002) über die Beziehung
von Akupunkturpunkten und Meridianen zu Bindegewebspunkten. Ihre
Studie, Relationship of acupuncture points and meridians to connective
tissue points
wurde in The Anatomical Record wiedergegeben.

 

Die Forschung befasste sich auch damit, die Lage von Akupunkturpunkten
und Meridianen in Querschnitten durch den menschlichen Arm zu kenn-
zeichnen. Sie benutzten Bilder aus der National Library of Medicine´s
Visible Human Project. Sie verwendeten klassische Akupunkturtafeln und
lokalisierten 24 Punkte entlang 6 Meridianen auf dem Oberarm.

           Diese Entdeckung lässt vermuten, dass die
           Lokalisierung von Akupunkturpunkten, die
           von den alten Chinesen empirisch bestimmt
           wurden, auf dem Abtasten bestimmter Stellen
           oder ´Löcher` beruhte, wo die Nadeln Zugang
           zu grösseren Mengen an Bindegewebe haben.
           ´Wir postulieren, dass Akupunkturpunkte                                
           Umwandlungsstellen in einem Netzwerk von                             
           Bindegewebe entsprechen, das den ganzen
           Körper durchzieht, analog zu Kreuzungen von                          
           Landstrassen in einem Netzwerk von Strassen
           erster und zweiter Ordnung`... Wir postulieren,
           dass die Manipulation mit Akupunkturnadeln
           zelluläre Veränderungen bewirkt, die sich ent-
           lang Bindegewebsebenen ausbreiten.

                                   Langevin und Yandow (2002)

                                                                                  

Diese Konzepte verbinden sich ausgezeichnet mit den Gedanken dieses
Aufsatzes. Noch mehr regt mich an, dass sie auch mit den Beobachtun-
gen konvergieren, die der Rolfer Stanley Rosenberg seit vielen Jahren un-
tersucht. In anderen Artikeln in diesem Journal dokumentiert Stanley sei-
ne Beobachtungen.

       “Die Akupunkturpunkte fühlen sich wie Vertiefungen
         an, die es mir erlauben, mehrere Bindegewebs-
         schichten auf einmal zu berühren. Es fühlt sich an,
         als stecke man den Finger in einen Kegel. Anfangs
         ist mehr Spannung im Gewebe, wenn man versucht,
         den Finger in die eine Richtung im Vergleich zur                       
         entgegengesetzten Richtung zu drehen. Nachdem
         sich das Gewebe entspannt hat, ist der Widerstand
         gegen das Drehen in beide Richtungen gleich.”

                

 

Meridiane als anatomische Züge

Die antiken Akupunkturkarten von Punkten und Meridianen werden daher
wohl den Bereichen innerhalb der Faszien entsprechen, die besonders
leitfähig für die Wellen aus Verformung und Aktivierung sind, wie sie
eben beschrieben wurden. Ein Bild von der Weise, wie sich die Stimulier-
ung durch Akupunktur durch den Körper ausbreitet, kann man durch das
Studium der sogenannten Anatomischen Züge (anatomy trains) oder my-
ofaszialen Meridiane erhalten, von denen viele den klassischen muskulo-
tendinösen Meridianen folgen (Myers 2001). Wie von Myers und in Deane
Juhans Vorwort beschrieben, sind die anatomischen Züge Verbindungen
von Faszien und Knochen, die sich durch den Körper winden und den Kopf
mit den Zehen und das Innerste mit der Peripherie verbinden. Hier han-
delt es sich um die Hauptlinien innerhalb der lebenden Matrix, die die
Gravitations- und muskulären Kräfte orchestrieren, die an allen Bewegun-
gen beteiligt sind.

 

In Jahren praktischer Arbeit am Körper hat Myers eine enorme Menge an
anatomischen Einzelheiten in ein einfaches Gitterwerk aus Spannungs-
bändern destilliert, die an jeder Haltung, Bewegung und Emotion beteiligt
und die auch die Orte sind, von denen muskuloskelettale Schmerzen und
Störungen ausgehen.

 

Schlussfolgerungen

Zusammenfassung: Die Bilder, die Langevin und ihre Kollegen entwickel-
ten, erklärten die unmittelbaren Wirkungen der Akupunkturnadelung;
Ingbers Gruppe entwickelte die Verbindung zwischen Gewebe, Zellarchi-
tektur und Biochemie; die globale Verbundenheit veranschaulichte Myers.
Sie alle geben uns einen mächtige Sammlung von konzeptionellen Werk-
zeugen zur Analyse der menschlichen Form, Funktion, Bewegung und
Emotion in Gesundheit und Krankheit. Von gleicher Wichtigkeit ist die
Bedeutung all dieser neuen Einsichten für jene, die ihre Körper in neue
Bereiche menschlicher Aktivität führen möchten, in Kunst, Sport, Tanz
oder Beruf. Sogar noch grössere Möglichkeiten zeichnen sich ab, wenn
man die Weisen erwägt, wie diese Bilder zu einem inneren Empfinden
unserer selbst als integrierte Wesen beitragen können, die zu Wundern
an Anpassung und Selbstheilung fähig sind. Dadurch, dass wir dieses
Netzwerk erleben, sind wir in der Lage, mit der vollen Reichweite, dem
Umfang und dem Potential der kinästhetischen Intelligenz in Berührung
zu kommen, die unser Geburtsrecht ist.

 

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Peirce CS, Jastrow J 1884 On small differences of sensation. Memoirs of
the National Academy of Sciences Volume 3, Fifth Memoir: 73-83, October 17, 1884

Pollack, G 2001. Cells Gells and the Engines of Life. Ebner & Sons, Seattle.

Sherrington C.S. 1951 Man on His Nature, Second Edition (Cambridge
University Press).

Weil, A 1995. Spontaneous healing: how to discover and enhance your
body´s natural ability to maintain and heal itself. Knopf, New York.

Weiskrantz, L. 1986. Blindsight: A Case Study and Implications. Oxford
Psychology Series no. 12, page 24.

 

Angaben zu den beiden neuen Büchern von James Oschman finden Sie
unter Literatur.
 

James Oschman
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PMB 170
827 Central Avenue
Dover, NH 03820 USA

Tel.: 603-742-3789
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aus dem Amerikanischen von Rolf Gleichmann,
mit freundlicher Genehmigung von James Oschman